Ein Sommer der nicht enden will

Wer hätte ahnen können, dass der „Jahrhundertsommer“ im Oktober noch einmal verlängert hat?

Ich bin jetzt so gut wie jeden Tag draußen im Garten und kann mich lange nicht an so einen Oktober (bisher) erinnern. Seit ein paar Tagen knacken wir regelmäßig die 20 Grad Marke. Zumindest am Nachmittag. Das ist ja dann auch das Paradoxe: Zwischen 14 und 17 Uhr kann man im T-Shirt arbeiten, aber sobald die Sonne weg ist oder auch nur über ihren Zenit hinaus ist, wird es dem Herbst entsprechend kalt! Dann ziehe ich mir einen Wollpulli über und arbeite weiter, bis mich die immer früher einsetzende Dunkelheit zum Feierabend zwingt.

Und weil ich bis zur beginnenden Dunkelheit im Garten aushalte, weiß ich dass der Sommeranklang nur ein Trugschluss ist. Wenn die Sonne scheint und die Luft spätsommerlich erwärmt, ist man immer versucht, doch noch etwas auszupflanzen oder auszusäen. Würde es eine Lage Spinat nochmal schaffen? Radieschen wachsen doch recht schnell? Die Tomaten noch länger am Strauch lassen?

Nein, ein Gärtner weiß, was er wann zu tun oder zu lassen hat. Alles hat seine Zeit und seine Chance, vorbei ist vorbei. Natürlich gibt es klassische Wintergemüse oder Pflanzungen, die jetzt vorgenommen werden können. Das ist aber eine ganz andere Sachlage und hat mit dem nicht enden wollenden Sommer nichts zu tun.

Die Tomaten bspw. sind durch niedrige, einstellige Temperaturen schon hinüber. Ob da nun noch Früchte am Strauch hängen oder nicht, spielt keine Rolle. Ich habe alles eingesammelt und hoffe auf eine Nachreife auf dem Küchentisch. Die Stangenbohnen abgenommen und zur Reifung der Samen auf den Tisch gelegt. Die letzten Kartoffeln wurden ausgebuddelt und die Roten Beten auch. Wo etwas frei wurde, kam gleich der Spaten zum Umgraben zum Einsatz. Keine Pflanzungen mehr auf gut Glück.

Besser die Sonnenstunden nutzen und sich an den Schönheiten eines Herbstgartens erfreuen. Strahlende Herbstastern, leuchtende Ringelblumen, Fetthennen und die Gelbfärbung der Blätter von Funkien oder Salomonssiegel. Hier und da zeigt sich eine immer noch blühende Rose. Vögel sind noch eine Menge unterwegs und nun sieht man auch emsige Bienen, die den letzten Nektar schlürfen und Pollen sammeln.
Man kann auch weiterhin den Grill anwerfen und sich am Feuer wärmen sowie an Gegrilltem stärken.
Wie man sieht, gibt es auch im Herbstgarten Freuden – wenn man nur loslässt und sich auf das einlässt, was zur Verfügung steht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.