Altes Gärtnerwissen wieder entdeckt. Von Inga-Maria Richberg

Rezension zu: Altes Gärtnerwissen wiederentdeckt. Erfahrungsschatz vergangener Zeiten.

Das ist die Art von Buch, nach der ich lange gesucht habe. Eine Fundgrube nützlicher Tips für das (Bio-)Gärtnern. Sehen wir uns einmal an, was das Buch zu bieten hat.

Gärtnern ist wieder „in“ geworden. Und ganz besonders die biologische Variante, die ohne Chemie auszukommen versucht und auf das Wissen unserer Groß- und mittlerweile Urgroßeltern zurückgreift. Dieser Einstellung trägt das Buch nun schon in der 11. Auflage Rechnung.

Ich habe es mit Begeisterung verschlungen und mir nebenbei Notizen gemacht. Der Anfänger unter den Gärtnern wird von der Informationsfülle etwas erschlagen sein, aber auch der Fortgeschrittene unter den Hobbygärtnern kann hieraus noch die ein oder andere Anregung ziehen.

Buchdetails

  • Titel: Altes Gärtnerwissen wiederentdeckt. Erfahrungsschatz vergangener Zeiten.
  • Autor: Inga-Maria Richberg
  • Jahr: 2014
  • Verlag: BLV Buchverlag GmbH & Co. KG
  • Seiten: 207
  • Preis: 19,99 €
  • ISBN: 978-3835412873
Altes Gärtnerwissen wieder entdeckt. Von Inga-Maria Richberg
Altes Gärtnerwissen wieder entdeckt. Von Inga-Maria Richberg

Inhalt

Wir finden 5 Großkapitel sowie ein Vorwort und einen Anhang vor:

1. Guter Start und gesundes Wachstum

Hier geht es um Bodentypen, -qualität und -verbesserung. Dazu wird die Kompostierung erläutert, sowie Spezialkomposte vorgestellt. Wie erzeugt man Saatgut und schützt es durch Beizen von späteren Krankheiten? Auch diesen Fragen wird nachgegangen ebenso wie einer nachhaltigen Pflanzplanung und Mischpflanzungen.

2. Keine Chance für Schädlinge und Co.

1001 Tips zur Fernhaltung von tierischen Schädlingen und anderen Krankheitserregern.

3. Spezialwissen aus alter Zeit

Buntes Sammelsurium von Vorschlägen quer durch den Garten. Mit dabei sind die Vorzüge der Gründüngung, des Rigolens, des tierischen Düngers, regionale Pflanzenarten, Lagerung der Ernte, Blumenschnitt oder auch Aufbewahrung der Gartengeräte. Man kann es gar nicht richtig einordnen.

4. Mond, Magie und Brennessel

Zugegeben, das ist nicht mein Kapitel. Man kann es gemäß einem Unterkapitel mit Astrologie für Gärtner beschreiben. Ob Mondkalender nach Maria Thun, magischen Pflanzen oder dem Sprechen mit Pflanzen – für Esoteriker ein unterhaltsames Kapitel.

5. Kleine Wetterkunde für Gärtner

Bauernregeln, der Hundertjährige Kalender und Tiere und Pflanzen als Wetterboten – hier soll der Leser für die Deutung des Wetters sensibilisiert werden.

Was erwartet den Leser?

Dass in diesem Buch wertvolles Wissen und ein bewährter Erfahrungsschatz weitergegeben wird, hatte ich eingangs schon erwähnt. Es gibt wirklich fast aus jedem Bereich des Gärtnerlebens hilfreiche Infos und Vorschläge zur Problemlösung. Und weil wir naturnah gärtnern, wird unerwünschten Tieren und Pflanzen nicht mit der chemischen Keule zu Leibe gerückt, sondern der Maulwurf lebendig gefangen und umgesiedelt und Giersch und Quecke als Brühe angesetzt bzw. auf den Kompost geworfen, statt einmal Roundup. Gut, die Veraschungen oder das Abtöten durch kochendes Wasser sind etwas rabiat. Auch das mittels Fliegenklatsche Töten von schwärmenden Wespenköniginnen ist … nun ja.
Ob viele dieser Maßnahmen wirklich helfen ist nicht einmal gesagt.
Diese positiven Eigenschaften dieses Buches bleiben bestehen, auch wenn meine nachfolgende Kritik am sehr guten Gesamteindruck des Buches notwendigerweise kratzen muss. Die ersten 3. Großkapitel sind z.T. hervorragend. Kapitel 4 passt so gar nicht in diese Publikation und bei Kapitel 5 wird es wieder besser, auch wenn die Klasse der ersten Kapitel nicht mehr erreicht wird.
Man kann ja zur anthroposophischen Natursicht Steiners stehen wie man will, aber diese Publikation hätte den Ausflug in die ganzheitliche Methode nicht nötig gehabt. Immer wenn ein Hauch Steiner in den Kapiteln auftaucht, fällt das Buch ab und wird irgendwie unglaubwürdig. Man hat den Eindruck, dass die Autorin selbst nicht genau weiß, wie sie die Methoden einordnen soll. In diesen Fällen spricht sie dann oft im Konjunktiv und dritter Person. Diese Absätze wirken wie Fremdkörper. Wenn ich von einer Sache nicht überzeugt bin, streiche ich das einfach aus meinem Buch. Viele Bücher sind ja deswegen keine Meisterwerke, weil sich die Autoren oder Lektoren scheuen, einfach mal zu streichen und wegzulassen.
Es ist nicht so, dass man nicht ausprobieren soll, ob der Pflanz- bzw. Arbeitskalender nach Maria Thun  einem zusagt oder nicht – aber die Herstellung von Spezialkompost in Kuhhörnern, der Einfluß der Sternzeichen (nicht des Mondes) oder das energetische Aufladen bio-dynamisch hergestellter Tinkturen und Auszüge – das ist mir einfach zu esoterisch und abgedreht. Lieber diese Sachen raus und dafür weitere Gartentips rein.

Das Thema Wetter und Gärtnern finde ich persönlich wichtiger, als es in diesem Buch abgehandelt wird. Frau Richberg ist nun auch keine Meteorologin, weshalb man ihr das nicht zum Vorwurf machen kann, aber z.B. bei den sogenannten Bauernregeln wäre es für den Leser hilfreich zu wissen, was sie eigentlich zu erklären versuchen, wann sie entstanden sind (durch Kalenderumstellung und wechselnde Heiligentage nicht datumsgenau ermittelbar) und wo sie entstanden sind (sehr unterschiedliche Mikroklimate machen viele tagesgenaue Bauernregeln zunichte). Auch die Sache mit den Wolken und dem Abend- bzw. Morgenrot ist nicht ganz so einfach, wie Frau Richberg das schildert. Ich empfehle hier noch den Kauf eines separaten Wetterkunde-Buches.

Aufmachung und Illustrationen

Das Buch ist auf ausreichend schwerem Glanzpapier gedruckt und stabil gebunden. Die Aufteilung ist durchweg zweispaltig, die Schrifttype (leider kein Hinweis darauf, welche nun verwendet wurde) mit Bedacht gewählt und gut lesbar. Die Abbildungen (überwiegend Photos) sind zu 90% gestochen scharf, farbensatt und mindestens spaltenbreit groß. Das Buch ist im Grunde hintereinander weg durchgeschrieben; das macht es etwas schwer, bestimmte Sachen auf Anhieb wiederzufinden. Dafür wird ein konsequenter Lesefluß hergestellt.

Fazit

Wer wissen möchte, wie unsere Groß- und Urgroßeltern gärtnerten und mit welchen Tricks sie sich zu helfen wussten, der findet in Altes Gärtnerwissen wiederentdeckt einen wahren Schatz von nützlichen Informationen und Anleitungen. Das Meiste ist für den Hobbygärtner leicht zu realisieren – es braucht nur Zeit, Geduld und Ausdauer. Wer es nicht ganz so esoterisch mag, überliest die Kapitel und Absätze aus der anthroposophischen Schule einfach. Bei der Menge an überliefertem Wissen und der sehr guten Aufmachung ist der Preis von 19,99 € gerechtfertigt.
Das Buch ist ein tolles Geschenk für einen naturnahen Hobbygärtner, der allerdings kein Anfänger sein sollte. Als Ergänzung (weil die Autorin grundlegendes Gärtnerwissen voraussetzt) empfehle ich den Klassiker von Marie-Luise Kreuter: Der Biogarten: Das Original

Kaufen kann man das Buch z.B. bei Amazon: Altes Gärtnerwissen wieder entdeckt: Erfahrungsschatz vergangener Zeiten

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