Zum Tod von Peter Lustig

Ein großer (kleiner) Held unserer Kindheit, ein Erklärbär im besten Sinn, ein Latzhosenträger und „Öko-Aktivist“, Fernsehmacher und doch-nicht-Kinderhasser ist von uns gegangen.

Peter Lustig.

Was soll ich schreiben? Es sind alle wichtigen Messen gesungen, alle Nachrufe bereits verfasst worden. Viele sehr liebevolle Rückblicke und Erinnerungsartikel habe ich gelesen und möchte mich dann doch in die Riege der trauernden „Hinterbliebenen“ einreihen.

Mein Gott, was war mir diese besserwisserische Ökobewegung der 80er und frühen 90er suspekt, wie albern, moralinsauer und naiv fand ich deren Protagonisten, die einst mit Turnschuhen im Kabinett daherkamen und heute wohlgenährt ihre mehreren Tausend Euro als Redner einstreichen oder in Aufsichtsräten von Automobilkonzernen oder Energieriesen sitzen.

Aber da war dieser Mann in seiner blauen Latzhose, der in einem Bauwagen lebte und eine unbändige Neugier auf die Welt entwickelte. Eine Neugier, die sich aus dem Staunen über die ganz normal erscheinenden Dinge unseres Alltags speiste. Ein Mann, der zwar von seinem Äußeren her in die Riege der Fundi-Ökos passte, dem aber das Neunmalkluge und vor allem der erhobene Finger fehlte. Plötzlich war es cool, ein Umwelt- und Naturbewusstsein zu entwickeln, weil er es erklären konnte. Es machte irgendwie Sinn. Das und diese der Fernsehwelt völlig abgehenden Attitüde machten den Mann so liebenswert.
Machen wir uns nichts vor: In der heutigen Fernsehlandschaft (Öffentlich-Rechtlich wie Privat) würde ein Peter Lustig mit so einer Sendung keine Karriere mehr machen. Null. Es war die Gnade der 1980er Jahre. Eine Gnade, die dem Fernsehen zumindest Nischen wie „Löwenzahn“ und ein Radiogesicht wie Peter Lustig ermöglichte. Wie soll man das auch anders formulieren? Es war der Beweis, dass es gut gemachtes Kinderfernsehen geben kann, unabhängig von Facebook, Smartphones, hippen Stylings, wilden TV-Effekten und ADHS betroffenen „Kids“ vor der Kamera. Alles was es braucht, sind ein gutes Konzept, zündende Ideen und einen glaubwürdigen Moderator, der nicht einfach nur seinen Job macht und alles runtermoderiert, was auf seinen Kärtchen steht. Was für ein Glück, dass die Gestirne in dieser Konstellation zusammenkamen und wir an den Geschichten rund um den Bauwagen, dem Nachbarn Paschulke oder Tante Elli teilhaben konnten. Ich kann gar nicht aufzählen, wieviele Kerzen dieser Mann in meinem Kopf entzündet hat und wieviele Ideen sich subversiv festgesetzt haben. Mir fällt nur jetzt wieder ein, wie gern ich meine Latzhose im Garten trage. Natürlich in Blau.

Ich sag es euch gleich – das mag jetzt nach Wehmut oder dergleichen klingen – aber so etwas wird es auf absehbare Zeit nicht mehr geben. Kann es nicht mehr geben. Natur ist nicht mehr wichtig, alternative Lebensformen kennt man nur noch aus Geschichtsbüchern und wo findet man noch wirklich gut gemachtes Fernsehen?

Dass wir es mit Löwenzahn und Peter Lustig im ZDF über soviele Jahre gefunden haben und für alles Andere – vielen Dank Peter Lustig

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