Nisthilfen und Insektenhotels aus dem Baumarkt? – Nein Danke!

In einen weitgehend naturnah bewirtschafteten Garten gehört auch eine Nisthilfe bzw. ein Insektenhotel! Sicher?

Auch wenn jeder Natur- oder Biogärtner angehalten ist, Wildbienen, Hummeln, Florfliegen, Schmetterlingen, Marienkäfern und Co. eine Überwinterungsstätte zu bieten, hat Werner David in einem Artikel nachvollziehbar erklärt, warum die in Bau- und Gartenmärkten angebotenen „Insektenhotels“ nicht funktionieren bzw. nicht funktionieren können – ihre Anschaffung also oft sinnlose Geldschneiderei ist.

Ich muss zugeben: viele der vorgestellten Argumente gegen das Konzept der Bienenhotels von der Stange kannte ich selbst nicht. Zum Beispiel die Sinnlosigkeit der Bohrungen in Stirnholz (dazu falsch verwendete Holzarten wie Weich- oder Nadelholz) oder dass Wildbienen rückwärts ins Gänge kriechen und sich bei ausgefransten Enden die Flügel ruinieren.

Eins dieser industriell hergestellten Insektenhotels oder Nisthilfen kommt mir auch nicht in den Garten. Ob ich aber selbst so ein Ding baue, bezweifle ich auch. Meiner Meinung nach sind das ohnehin nur Feigenblättchen oder auch Gewissensberuhigungen, weil wir es im 21. Jahrhundert nicht mehr schaffen, diesen Tierarten früher selbstverständliche Überwinterrungsquartiere und Nisthilfen zu bieten. Seitdem die Landwirtschaft industrialisiert wurde, ist eine naturnahe Bewirtschaftung unmöglich geworden. Man stelle sich vor: Baumhöhlen in Obstbauplantagen mit ihren Spindel- und Pyramidenstämmchen! Oder abgestorbene Bäume stehen- bzw. Totholzhaufen liegenlassen! Brombeer- und Wildsträucherhecken als Feldgrenzen! Wer baut denn heute noch Scheunen und Schuppen mit Dachstühlen, in denen Tiere Schutz finden? Schmetterlinge sieht jeder gern, aber wenn die Raupen das Gemüse wegfressen ist Schluss mit lustig. Man kann das Eine nicht haben ohne das Andere zu akzeptieren.

Stattdessen packt sich jetzt jeder Kleingärtner so etwas Gutgemeintes in den Garten und kann bei eventuellen Fragen immer darauf verweisen.

Das brauche ich nicht. Ich versuche, wenn überhaupt, der Natur auf anderen Wegen entgegenzukommen. Seit Jahren weigere ich mich, an der großangelegten Gartenbereinigung im Herbst teilzunehmen. Abgeblühtes bleibt stehen oder liegen und gibt dem Garten im Winter Struktur. Vertrocknete Triebe und Samenstände bieten Insekten einen Unterschlupf bis in den März/April hinein. Mir ist egal, was die „Gartenbegehung“ des Vorstandes im Februar (!) an Strafpunkten ermittelt, weil der Garten nicht so „sauber und aufgeräumt“ aussieht. In meinem Garten ist dafür viel mehr los. Seit 2 Jahren besucht mich bspw. eine riesige schwarzblaue Holzbiene. Schweb- und Florfliegen halten die Blattläuse in Schach. Usw. usf.
Ich rezensiere auch gerade ein Buch über die naturnahe Insektenpflege im Garten aus dem BLV Verlag, woraus ich eine ganze Menge neuer Anregungen übernehmen werde.

Es gibt also genug Möglichkeiten, sich dem Bequemdiktat der Bau- und Gartenmärkte zu widersetzen und den zahlreichen Insekten im eigenen Garten ein lebenswertes Habitat zu bieten. Dazu zählen natürlich auch selbstgebaute Insektenhotels – Werner David gibt dafür ebenso Tipps wie auch Kontakte zu Herstellern von wirklich empfehlenswerten Produkten dieser Art.

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