Gemüseanbau für Anfänger, Teil 1: Rote Bete
Rote Bete

Gemüseanbau für Anfänger, Teil 1: Rote Bete

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Mit diesem Artikel rufe ich eine Beitragsreihe ins Leben, in der ich Gartenanfängern nützliche Tipps und Hinweise zum Bewirtschaften an die Hand geben möchte. Ich fange mal mit dem Gemüseanbau an, weil hier am schnellsten sichtbare Ergebnisse vorliegen können und der Anbau in vielen Kleingartenverordnungen verbindlich niedergeschrieben ist.

Wenn ich einem Anfänger in Sachen Gemüseanbau einen einzigen Tipp geben dürfte, ich würde sagen: versuche es mit dem Anbau von Roter Bete. Wenn alles nicht funktioniert, Rote Bete geht immer. Einfach und unkompliziert im Anbau, dabei aber ertragreich und zudem sehr gesund.

Rote Bete – durch die Römer in unsere Gärten und Küchen

Die Rote Beete, auch Rote Beete, Rote Rübe, Rande oder Rahner genannt, kann ihre Abstammung schwer verleugnen. Als Kulturform der Wilden Rübe hat sie mit Zuckerrübe und Mangold enge Verwandte und gehört zu den Fuchsschwanzgewächsen.
Ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammend (Nordafrika?), kam sie mit den Römern über die Alpen und damit in unsere Gärten und Kochtöpfe. Ihre charakteristische tiefrote Färbung ist allerdings das Ergebnis intensiver Züchtung im 19. Jahrhundert.

Pflanzenmerkmale und Varianten

Allgemeinhin erkennt man die Rote Bete an ihrer deutlich über die Erdoberfläche hinausragende Knolle, die einen dunkel violetten Farbton aufweist. An langen, kantigen und rötlichen Stielen befinden sich Blätter von leuchtend hellgrüner bis später matt-dunkelgrüner Farbe. Die Schale der Rübe ist dünn und das Fruchtfleisch fest und für gewöhnlich tiefrot und färbend. Während man früher nur die unregelmäßige Knollenform kannte, baut man jetzt auch walzen- bzw. rübenförmige und plattrunde Beten an. Auch bei der Knollenfärbung hat die Züchtung zugeschlagen: neben rot-weiß gestreiften Varianten, gibt es auch Knollen mit weißer oder gelber Färbung. Ich würde aber dennoch die klassisch rote Zuchtform wählen, da diese das Glykosid Betanin enthält. Ohne Betanin (das als Farbstoff E162 in der Lebensmittelindustrie eine weite Verwendung findet) werden Borschtsch, Labskaus und Heringssalat nicht rot.

Inhaltsstoffe oder was macht die Rote Bete so gesund?

Neben dem Betanin zählen Vitamin B, Kalium, Eisen, Magnesium, Zink und Folsäure zu den Hauptinhaltsstoffen und machen dieses Gemüse zu einer gesunden Beilage (ich verwende Rote Bete aber auch als Hauptgericht – dazu unten mehr). Dazu ist es kalorienarm und reich an Ballaststoffen sowie Eiweiß. Das Betanin zählt zu den sogenannten sekundären Pflanzenstoffen und Antioxidantien.
Beim hohen Gehalt an Oxalsäure und Nitraten sollte man vorsichtig sein. Oxalsäure ist nicht gut für Menschen, die zu Nierensteinen neigen und Nitrate dürfen sich nicht zu Nitriten umwandeln, aber das ist eine Frage der Ernte und der Lagerung. Das erkläre ich auch noch unter Anbau und Ernte.

Anbau, Ernte und Lagerung von Roter Bete

Die Rote Bete ist wirklich ein dankbares Gemüse für den Gartenanfänger. Sie benötigt keine Vorkultur und stellt auch nur minimale Anforderungen an den Boden bzw. das Wetter. Sie sind zum Beispiel auch mit einem halbschattigen Standort zufrieden. Ein bisschen Kompostgabe im Herbst und späteres Mulchen reichen aus.
Die skurril geformten Samen haben eine gute Größe, so dass sogar eine Einzelaussaat möglich wäre, aber ich ich setze immer zwei, drei Samen zusammen an eine Stelle (10 cm Abstand bei 20-25 cm Reihenabstand) und schaue dann, welcher Samen gekeimt hat (meistens alle) und sich besser entwickelt und ziehe die zu klein geratenen Rüben raus, damit die stärkste Bete Platz hat und weiterwachsen kann.
Aussaat ist ab April möglich und wer im Mai/Juni sät, erhält zartes Gemüse. Wie bei allen Pflanzen in der der Aussaatphase muss regelmäßig gewässert werden und das später beibehalten. Zwischen den Reihen wird der Boden ab und an gelockert oder mit einer Mulchschicht bedeckt. So hält sich die Bodenfeuchtigkeit. Eine Markiersaat mit Radieschen ist meiner Meinung nach nicht nötig, da die Beten schnell aufgehen und an den hellgrünen Blättern deutlich erkennbar sind. Es ist ganz normal, dass entgegen beispielsweise einer Mohrrübe die Knolle der Roten Bete weit aus dem Erdboden herausschaut.

Pflücksalat, Gurken, Buschbohnen und Kohlrabi sind entspannte Beetnachbarn.

Rote Bete ist eine zweijährige Krautpflanze. Im ersten Jahr bilden sich die Knolle durch Verdickung des Wurzelhalses und die Stiele mitsamt den Blättern. Wer an den Samen interessiert ist, lässt sie stehen und beobachtet, wie sich im zweiten Jahr ein hoher Blütenschaft bildet, der zur Samengewinnung genutzt werden kann. Ein oder zwei kräftige Pflanzen sollten ausreichend sein.

Je nach Sorte sind die Knollen nach 80 – 120 oder 140 – 170 Tagen erntereif. Die Samen sind gut keimfähig und zeigen wenig Ausfälle. Hier muss nicht vereinzelt, nicht vorgezogen, nicht großartig gedüngt werden (mit Ausnahme von etwas Kompost und Kali-betonten Pflanzenjauchen) – der Gärtner sieht sehr schnell einen Erfolg und das ist bei Anfängern das Wichtigste. Die Randen gehören zu den Mittelzehrern, so dass die Anbaufläche danach mit einer Gründüngung schon wieder mit Nährstoffen aufgeladen werden kann.

Sortenempfehlungen

Mit der Tondo di Chioggia habe ich nicht so gute Erfahrungen gemacht, was aber vor allem am laschen Geschmack und der nur durchschnittlichen Knollengröße lag. Viele Gärtner mögen diese Sorte und das ist letztlich auch eine Geschmacksfrage. Von daher: probiert es einfach aus.
Ich persönlich setze auf die Rote Kugel oder Rote Kugel 2 sowie auf die Robuschka.

Wie man Rote Bete richtig erntet

Ab Spätsommer kann geerntet werden. Dafür gräbt man die Beten mit einer Grabgabel oder Spaten am Vormittag eines sonnigen Tages aus (oder hebt sie meinetwegen nur an, damit die feinen Wurzeln abreißen) und lässt sie den Tag über an Ort und Stelle liegen, damit Nitrat abgebaut werden kann, ohne dass die Pflanze Nachschub erhält. Dann hält man die Knolle mit der linken Hand fest, während die rechte Hand die Stiele umfasst und in einer Drehbewegung von der Rübe abreißt. Die Stiele werden nicht mit einem Messer oder einer Schere abgeschnitten, weil die Knolle sonst verblutet und auch Eintrittstellen für Pilze geschaffen werden. Im Kühlschrank reicht es, die Pflanzen in feuchtes Papier einzuschlagen und dann wird man sehen, wie lange sich durchhalten.

Bis zu den ersten Frösten im Herbst kann die Rote Bete ruhig auf dem Beet stehenbleiben. Nach dem endgültigen Abernten können die Rüben in einer klassischen Miete in Sand eingeschlagen überwintern. Ein dunkler und kühler Kellerraum ist ideal, aber auch die klassische Erdmiete bringt gute Resultate. Merke: je wärmer es während der Lagerung ist, desto höher der Nitratgehalt in der Knolle. Aus einem Nitratüberschuss können im Darm Nitrite oder Nitrosamine (krebserregend) gebildet werden. Vitamin C bremst diesen Vorgang, weshalb es sich immer lohnt, Rote Bete mit Vitamin C reichen Nahrungsmitteln zu kombinieren. Zitronensaft, Orangensaft, Gemüsepaprika bilden hervorragende Quellen.

Verwendung in der Küche

Bei viele Leuten steht die Rot Bete nicht auf dem Speiseplan, weil sie in älteren Kochbüchern oder Rezepten etwas vom dumpferdigen Geschmack lesen. Darüber ist die Züchtung schon längst hinweg gegangen!
Wie oben schon erwähnt ist die gegarte Knolle eine optisch auffällige und sehr gesunde Beilage. Auch roh geraspelt in einem Herbst- oder Wintersalat macht sie eine gute Figur. Als süß-sauer eingelegtes Gemüse kennt sie fast jedes Kind. Da galt immer: entweder man hasst es oder man liebt es. Ich habe es immer geliebt, weiß aber, dass sich andere Leute daran auch sattgegessen haben und ab diesem Zeitpunkt keine Rote Bete mehr mochten. Das kann sehr schnell passieren, wenn immer nur auf ein und dieselbe Zubereitungsart gesetzt wird. Aber zum Beispiel in Rotwein geschmort, mit Käse überbacken oder als geröstete Chips entlockt man ihr ganz neue und ungewöhnliche Geschmacksnuancen und Verwendungsmöglichkeiten. Fein geschnitten als Carpaccio mit Zitrone und Öl oder mit Meerrettich als Brotaufstrich ist es ein Gedicht. Ein Klassiker bei mir ist ein Rote-Bete-Pellkartoffel-Champignon Salat mit Sauerrahm. Den gibt es in jedem Winter.
Die Stiele und Blätter der Pflanze enthalten mindestens genau so viele (wenn nicht mehr) Inhaltsstoffe als die Knolle selbst, weshalb es jetzt immer mehr Gerichte gibt, die diese Pflanzenteile berücksichtigen. Die Blätter kann man bspw. gekocht wie Spinat zubereiten oder kleingeschnitten in einen Salat geben. Dafür müssen sie aber jung geerntet werden und sollten noch nicht vom Schneckenfraß verunstaltet sei. Bei mir hat sich das eher selten so ergeben, so dass ich bisher nur die Knollen verarbeiten konnte.
Der letzte Schrei sind ja Rote-Bete-Sprossen, wie derzeit aus allem Sprossen gemacht werden.

Nach einem ausgiebigen Genuss von rotfarbiger Roter Bete werdet ihr feststellen, dass sich euer Urin dramatisch rot verfärbt, während der Stuhlgang bis hin zu Schwarztönen verfärbt sein kann. Das hat schon manchem einen Schrecken eingejagt, bis ihm dann die mögliche Ursache wieder eingefallen ist 🙂

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