reifer Apfel am Baum

Die Apfelernte setzt ein – Erntemethoden und Verwertung

Alle unsere Nachbarn haben schon begonnen und auch wir werden uns demnächst dieser Aufgabe stellen: der Apfelernte.

Ein Apfelbaum ist etwas, das in jeden Garten gehört. Am besten sind sogar mehrere Sorten (Tafelapfel, Koch- und Backapfel, Lagerapfel …), wobei ich bei ausreichend Platz für eine Streuobstwiese plädiere.

Nachdem die Korn- oder Klaräpfel längst abgeerntet sind, steht jetzt die Ernte der ersten „richtigen“ Apfelsorten an. Leider kann ich nicht sagen, was für eine Sorte wir im Garten zu stehen haben – die Vorgänger haben Apfelbäume gepflanzt, und wenn man fragt, welche Sorte, erhält man „na Äpfel halt …“ zur Antwort.

viele Äpfel am Baum
Reiche Apfelernte

Egal, die Äpfel sind reif und müssen demnächst vom Baum. Von der Größe eher klein, dafür zahlreich. Die grüne Grundfarbe nimmt an der sonnenzugewandten Seiten einen schönen, satten Rotton an. Geschmacklich eher süß und mittelmäßig saftig.

Wie erntet man Äpfel?

Für Saftäpfel oder welche, die man gleich verkocht, reicht es, die am Boden liegenden Exemplare aufzusammeln oder durch kräftiges Schütteln nachzuhelfen. Bei Tafel- und Lageräpfeln ist das wegen der dabei entstandenen Druckstellen nicht empfehlenswert. Sie faulen dann schnell und müssen weggeworfen werden.

Wer noch gelenkig genug ist und keine Angst vor luftigen Höhen hat, kann auch klassisch in den Baum steigen und per Hand ernten.
Eine einfachere und sowohl den Baum als auch den Ernter schonende Methode ist der Einsatz einer Leiter. Bitte, bitte – legt euch da bloß eine gescheite Leiter zu.

Bei jeder Handpflücke im Baum kann man sich die Arbeit vereinfachen, indem man einen Eimer benutzt, den man mittels Speckhaken an einen starken Ast hängt und die gepflückten Äpfel dort parkt.

Wir setzen auf einen Apfelernter, der allerdings nur bis zu einer gewissen Baumhöhe einsetzbar ist.Für Anfänger: ein Apfelernter ist ein Gerät, das aus einer langen Stange besteht, an deren Kopfende ein Metallring mit Aussparungen befestigt ist. Gleich an den Metallring ist ein Stoffsäckchen angenäht. Der Apfelernter wird also von unten zum zu erntenden Apfel am Baum geführt, der Apfel mit dem Metallring vorsichtig umfasst und mit einem leichten kurzen Ruck abgerissen. Dann fällt er in den Stoffbeutel und erhält so auch keine Druckstellen. Mittels einer Teleskopstange kann man die Einsatzhöhe noch etwas vergrößern, aber irgendwann schlägt das Hebelgesetz zu.
Der Nachteil ist, dass jeder Apfel einzeln geerntet werden muss – aber wer den Dreh einmal raus hat, kann auch mit dem Apfelernter zügig ernten.

Was tun bei einer Apfelschwemme?

Viele Apfelsorten unterliegen der Alternanz, das bedeutet, dass es im Wechsel eine wahre Apfelschwemme und dann wieder eine magere Ernte gibt. Bei einer sehr guten Ernte stellt sich die Frage: was tun? Wohin mit den Äpfeln, die natürlich alle zum gleichen Zeitpunkt reifen?

Das einfachste ist, die Äpfel einfach zu essen (sofern es sich um Tafeläpfel handelt) bzw. an Bekannte zu verschenken. Das alte Sprichwort sagt ja: an apple a day, keeps the doctor away.
Äpfel, frisch genossen, sind eine wahre Vitaminbombe. Allerdings sollte man sie nicht schälen, da sich gerade unter der Schale die meisten Nährstoffe befinden.
Natürlich kann man versuchen, die Äpfel einzulagern – was nur mit Lageräpfeln funktioniert. Dazu sei gesagt, dass nur auf den Punkt geerntete Äpfel spritzig und knackig schmecken, je nach Sorte und Lagerdauer verändert der Apfel seine Struktur (wird mehliger) und Geschmack!

Wer eine Mosterei in der Nähe hat, kann die Äpfel auch zu Saft verarbeiten lassen. Schön ist es, wenn man den Saft aus den eigenen Äpfeln zurückerhält, aber die meisten Saftbetriebe geben das Äquivalent an fremden, bereits gesafteten Äpfeln heraus. Die Alternative ist eine mobile Mosterei.
Richtig sterilisiert kommt man mit der Ausbeute von 3-4 Bäumen locker über den Winter. Probiert mal akoholfreien Glühpunsch auf Apfelsaftbasis. Ein Gedicht!

Das Einlagern habe ich oben bereits angerissen, was nur funktioniert, wenn man einen in Temperatur und Luftfeuchte angemessenen Lagerraum hat. Ansonsten wäre das Trocknen bzw. Dörren der Apfelscheiben oder -schnitze eine Möglichkeit. Ungeduldige setzen dabei auf die schnelle Trocknung im Backofen oder speziellen Dörrgeräten, ich ziehe die langsame Lufttrocknung vor.

Ansonsten sind dem Koch oder der Köchin keine kulinarischen Grenzen in der Apfelverwertung gesetzt. Apfelkuchen, Apfelgelee, Äpfel im Schlafrock, Bratapfel im Winter, Apfelmus, Himmel und Erde – man kann sich regelrecht austoben.

Der (Obst)Gehölzschnitt am Apfelbaum ist etwas, das erst im ausgehenden Winter ansteht, wozu dann ein eigener Artikel folgen wird.

2 Gedanken zu „Die Apfelernte setzt ein – Erntemethoden und Verwertung“

  1. Habe deinen schönen Blog entdeckt und wollte dir mitteilen, dass auch ich viele Sorten an Äpfeln verarbeite. Dieses Jahr war ja ein starkes Apfeljahr und die lagerfähigen Sorten sind in unserem Felsenkeller bestens aufgehoben. Die anderen verarbeite ich auch zu vielen verschiedenen Produkten: Apfelmus, Apfelleder (auch Apfelpestil), gedörrte Apfelringe – sogar die Schalen und Kerngehäuse verarbeite ich zu Tee durch trocknen. Meine Sorten sind „Kronprinz Rudolf, Goldpermäne, roter Boskop, grüner Boskop, Jonathan, Grafensteiner und eine alte Sorte, die ich jetzt auch bestimmen lassen werde . Bei uns in Österreich kann man das beim Projekt „Arche Noah“. Liebe Grüße aus Österreich

    1. Hallo Elisabeth,

      da hast Du ja einige sehr schöne Apfelsorten zur Verfügung.
      Den Gravensteiner nutzt man hier nur als Tafelapfel (manchmal auch zum Kuchen backen, was ich aber als Verschwendung dieses leckeren Apfels ansehe), während ich den Boskoop als phänomenalen Koch- und Backapfel schätze. Ich habe mir gestern erst wieder einige Exemplare gesammelt und verwende die für die Füllung von Apfeltaschen.
      Mit der Goldparmäne hast Du ja einen richtigen Hauptgewinn gezogen. Der darf eigentlich in keiner Saftmischung fehlen. Sehr edel das Ganze.
      Der Kronprinz Rudolf sagt mir persönlich nichts, kann sein, dass der hier anders benannt wird.

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